NS-Zeit: Neuanfang – 1. – 5. Mai 1945: Befreiung durch das II. Kanadische Corp der Alliierten Streitkräfte

Befreiung durch das 2. Kanadische Corps am 1. Mai 1945:
Am Nachmittag des 5. Mai übergab im Hauptquartier des II. kanadischen Korps in Bad Zwischenahn General Straube, in Begleitung von 5 Offizieren, seine Armeegruppe. Im Wehrmachtsbericht heißt es: “ … Nach Vereinbarung mit dem Oberbefehlshaber der 21. Britischen Heeresgruppe, Feldmarschall Montgomery, ist seit heute früh acht Uhr in Holland, in Nordwestdeutschland von der Ems-Mündung bis zur Kieler Förde sowie in Dänemark einschließlich der diesem Gebiet vorgelagerten Inseln Waffenruhe … „ .
 
von den Soldaten des kanadischen Korps erbaute Behelfsbrücke über die Aue, Langestr. Bad Zwischenahn (1945) [Photo: Bothe]
 
 
Alliierte im Ammerland
Im April 1945 waren die Alliierten auf Oldenburger Gebiet vorgedrungen. Die kanadische Armee stieß von Westen her in’s Ammerland ein. Die Front stand seit geraumer Zeit am Küstenkanal bei Edewechterdamm fest, und von dort aus gab es immer wieder Artillerie- und Luftangriffe auf Bad Zwischenahn. Bald wurden Edewecht und Ohrwege eingenommen. Nun war Zwischenahn dran.
Was wäre aus Zwischenahn im Falle der völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg geworden? Eine Frage, die sich sicherlich kaum einer gestellt hat, denn schließlich wurde der Ort vom totalen Bombardement verschont. Dass dies in letzter Minute einem Edewechter Pastor und gebürtigem Zwischenahner zu verdanken ist, wissen nur wenige. Kapitulation oder Vernichtung
„Mir wurde mitgeteilt (v. d. Kanadiern), Zwischenahn sei nahezu umstellt und sollte am nächsten Tag eingenommen werden“, wird Pfarrer Schulze in der alten Chronik der Gemeinde von Georg Meyer zitiert. Den Kanadiern läge es daran, den Ort zu verschonen – Schulze sollte als Parlamentär vermitteln. „…wurde mir vom Oberst das …Schreiben vorgelegt, das bedingungslose Kapitulation verlangte, andernfalls mit völliger Vernichtung durch Bomben und Granaten drohte…“, erzählt Schulze in der Chronik weiter. Um 22 Uhr sollte er mit dem Zwischenahner Bürgermeister Gehrels oder einem Vertreter zurück sein. „Ich legte als Treffpunkt das Straßenkreuz in Altenkamp fest,…“Am Straßenkreuz trat seitens der Kanadier Waffenruhe ein. Mit der weißen Fahne in der Hand über gefällte Bäume und Sperren, unter ziemlichem Beschuss hinüber auf die andere Seite. „Einen gerade anwesenden Leutnant setzte ich in Kenntnis, dass ich zum Bürgermeister geschickt sei, worauf jener mir nur mitteilte, der Bürgermeister habe nichts zu sagen und ich müsse zum nächsten Bataillonsgefechtsstand kommen“, wird Pastor Schulze von Georg Meyer zitiert. „Der dortige Kommandeur lächelte höhnisch und verächtlich und antwortete: ‘Kapitulation? Kommt natürlich nicht in Frage’.“  Der Pfarrer wurde bewacht und konnte mithören, wie als Antwort auf die Kapitulationsforderung ein Feuerkommando auf das Straßenkreuz Altenkamp gerichtet werden sollte – während man im Garten ein Grab ausschaufelte. Teilweise mit verbundenen Augen wurde er zum Regimentgefechtsstand nach Aschhausen gebracht. Die dortigen Offziellen bedauerten, ihn nicht zurückschicken zu dürfen und Zwischenahn somit dem Untergang preisgeben zu müssen.Dann wurde Schulze zum Sitz der Division bei Varel gefahren. Um sechs Uhr morgens würde Zwischenahn bombadiert werden. In den Verhören ließ er verlauten, wie viele Waffen die Kanadier besäßen. Tatsächlich ordnete der Divisionskommandeur an, die deutschen Truppen aus dem Ort abzuziehen. Durch den Zeitmangel war eine schriftliche Antwort nicht mehr möglich. So raste der Pfarrer mit einem Kollegen bis nach Rostrup und von dort rannten sie mit zwei weißen Fahnen durch die Fronten hinüber zu den Kanadiern. Per Funk wurde dem Oberst im letzten Augenblick mitgeteilt, dass der Parlamentär von Zwischenahn zurückgekehrt sei. Am 1. Mai um 10 Uhr morgens marschierten die Kanadier mit Pastor Schulze ein. „…zunächst auf dem Bahnkörper, dann über den Brockhoff, durch die Aue und weiter die Straße entlang (Lange Straße) …“, schildert der Parlamentär. „Wenn kein Schuss fällt, ist Zwischenahn gerettet!“, rief er der Bevölkerung zu. So wurde der Ort kampflos besetzt. Danach wurde auch Oldenburg eingenommen. Am 4. Mai unterzeichneten der britische Oberbefehlshaber, Feldmarschall Montgomery und Admiral von Friedeburg das „Instrument of Surrender of all German Forces in Holland, in northwest Germany, including all islands, and in Denmark“, wenigeTage später endete offiziell der Zweite Weltkrieg.
[Quelle: Meyer, Georg: Chronik der Gemeinde Zwischenahn, Westerstede: Ries 1956]————————————

Ende April wurden der Ort Edewecht und die Dörfer Dänikhorst und Ohrwege nach schwerem Beschuss eingenommen. Das Ammerland war damit zum Kriegsschauplatz geworden. In Edewecht hatte die britische Militärverwaltung unmittelbar nach Beendigung der Kampfhandlungen Pastor Wilhelm Schulze, einen gebürtigen Zwischenahner, zum provisorischen Bürgermeister ernannt. Am 30. April erhielt Pastor Schulze von einem kanadischen Major die Nachricht, dass Bad Zwischenahn am folgenden Morgen eingenommen werden soll. Eine Zerstörung des Ortes könne nur durch bedingungslose Kapitulation abgewendet werden. Die entsprechende Erklärung werde von dem Bürgermeister erwartet.
Pastor Schulze stellte sich als Parlamentär zur Verfügung. Mit der Kapitulationsaufforderung der Kanadier versehen, erreichte er am späten Nachmittag des gleichen Tages auf dem Brockhoff die deutschen Stellungen. Sofort wurde er zum Bataillonsgefechtsstand, der im „Standartenführer Voß Haus“ untergebracht war, geführt.
Gegen 22:00 Uhr bekam die Truppeneinheit in Bad Zwischenahn den Befehl, Pastor Schulze zum Divisionsgefechtsstand in der Nähe von Altjührden bei Varel weiterzuleiten. Gegen 02:30 Uhr konnte die Fahrt beginnen. Bei der Division angekommen, wurde er erneut eingehend befragt. Inzwischen war die Zeit bis zum Ablauf des kanadischen Ultimatums bis auf wenige Stunden verstrichen. Endlich kam vom Divisionskommandeur fernmündlich die erlösende Nachricht, dass Bad Zwischenahn sofort von den letzten deutschen Truppen geräumt werde.
Pastor Schulze wurde von den deutschen Soldaten zur kanadischen Hauptkampflinie in Altenkamp zurückgebracht und erreichte gerade noch rechtzeitig die kanadische Befehlsstelle in Querenstede.
Am 01. Mai, gegen 10:00 Uhr, marschierte eine kleine kanadische Truppe mit Pastor Schulze an der Spitze in Bad Zwischenahn ein. Der Ort wurde kampflos besetzt..

Pastor Schulze verfasste auf Anforderung des Evangelisch-lutherischen Oberkirchenrates Oldenburg einen Bericht, in dem er das Erlebte aus seiner Sicht erzählt. Dieser schließt mit folgender Schilderung:
„Gegen ½ 10.00 Uhr wurde ich wieder nach Altenkamp gefahren. Zusammen mit jenem oben erwähnten Major, einigen Männern vom ’Military Government 221’ und einer kleinen Schar bewaffneter Kanadier bin ich zunächst über den Brockhoff, durch die Aue und weiter die Straße entlang (Lange Straße) in Zwischenahn einmarschiert. Den Einwohnern, die mich fast alle kannten, und die sich wunderten, mich an der Spitze des Feindes zu sehen, konnte ich nur zurufen: ’Wenn kein Schuss fällt, ist Zwischenahn gerettet!’

Es war der 01. Mai und jener Einmarsch ein seltsamer Maiumzug! Ich hatte den Auftrag, die Militärregierung zum Bürgermeister bzw. seinem Stellvertreter zu führen. Herr Gehrels war anwesend, ebenso Gemeindesekretär Hinrichs, auch die Gendarmerie Kommissare fanden sich ein.    [NWZ]

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Kanadische Wochenschau April 1945, Emdenhttps://www.youtube.com/watch?v=TZ3BXUsbPeA

Kanadische Wochenschau Nr. 70 (1945), ab Min 7:44 „Einmarsch der IV. Kan. Division in Friesoythe und Cloppenburg: https://www.youtube.com/watch?v=SiPkYQEoeac

Kanadische Wochenschau Nr. 71 (1945), ab Min 6:12: „Vormarsch 2. Infanterie-Division von Emden-Leer (mit Überwindung der Ems) Richtung Oldenburg:  https://www.youtube.com/watch?v=t8BPJYqyens

Kanadische Wochenschau Nr. 72 (1945), „Sieg im Westen, Kapitulation der gesamten deutschen Streitkräfte in Holland, in Nordwest Deutschland einschliesslich aller Inseln, und in Dänemark“ (Lüneburg, 4. Mai 1945).   https://www.youtube.com/watch?v=MozcX8p54v8

Kanadische Wochenschau Nr. 75 (1945), „ab Min. 4.17: Sammelstelle von sog. „displaced people“ irgendwo am Küstenkanal, wo die Ex-Zwangsarbeiter von deutschen bedient, bewirtet und versorgert werden mussten.“:  https://www.youtube.com/watch?v=N_HTeTX03yc

Kanadische Wochenschau Nr. 78 (1945), „ab Min. 6:06: General Johannes Blaskowitz und 800 hochrangige Nazi-Offiziere im ehemaligen Konzentrationslager in Esterwegen (Am 5. Febr. 48 beging Blaskotwitz, der sich vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher.Prozess in Nürnberg zu verwantworten hatte, Suizid indem er in den Lichthof des Nürnberger Gerichtsgefängnisses sprang. :   https://www.youtube.com/watch?v=ajDZio1EnXU

Kanadische Wochenschau Nr. 81 (1945), „ab Min. 9:30: Abmarsch aus Bad Zwischenahn: https://www.youtube.com/watch?v=PMZw44fOiQ0

Harold (Hal) Aage Skaarup:  (8 May 1945, end of the war in North West Europe“ (Bilder aus dem Norwesten, u.a. Kapitulation in Zwischenahn):  https://www.silverhawkauthor.com/post/second-world-war-8-may-1945-end-of-the-war-in-north-west-europed

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Das 2. Kanadische Corps in Bad Zwischenahn:

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Bereich Kanadisches Hauptquartier: Auf der Wurth (1946) heute: Hotel Petersen,

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