Brummerforth (Viehverwertung)

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Viehrampe am Bahnhof: auf dem ehemaligen Gelände der Viehverwertung (Verladerampe) befindet sich jetzt der Aldi! (Photo: ca. 1955)

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Erinnerungen, aufgeschrieben von der in Bad Zwischenahn ansässigen und in Bad Zwischenahn aufgewachsenen Frau Karin Schittko –  an dieser Stelle vielen vielen Dank  für diese wunderbaren „Geschichten aus alter Zeit“ , an die sich leider immer weniger erinnern können, (erstmals und in loser Folge veröffentlicht in den „Gemeindebriefen“ der ev. Kirche) :
Wir, das sind meine Eltern, die Großmutter und ich, zogen 1948/49 (an das genaue Jahr kann ich mich nicht erinnern) nach Bad Zwischenahn. Rostrup am Damm ist nun Vergangenheit. Wir ziehen an den Brummerforth 2. Welch eine Veränderung damals für mich als Kind: keine Cliquen, keine Freundschaften, keine Feindschaften – alles anders. So auch die große Schule an der Schulstraße; die große Klasse mit 60 Schülerinnen und Schülern! Und die Umgebung des Hauses an den Bahnschranken: Viele Male am Tag wurden sie betätigt. Dort war eine wichtige Rangierstelle mit dem Bahnwärterhäuschen. Auch die
Kleinbahn von und nach Edewechterdamm kam dort vorbei. Alle warteten geduldig. Es gab ja etwas zu sehen. Außerdem war ja so gut wie kein Autoverkehr – ab und an ein Lastwagen, ansonsten Pferdefuhrwerke. An der Stelle, wo heute ALDI steht, war damals die Viehverwertung. Frühmorgens wurden mit viel Gebrüll Schweine, Kälber und Rindvieh angeliefert. Es kam auch vor, dass eines der Tiere über die Schienen das Weite suchte – aber meistens ohne Erfolg! Und mitten im Getümmel im schneeweißen Kittel: Walter Schweneker! Nach erfolgreichem Handel gingen Käufer und Verkäufer ins Bahnhofshotel (heute Hotel Kämper). Dort wurde der Handel „begossen“ (Karin Schittko GB 2/16)

Wie schon beim letzten Mal beschrieben, wohnten wir seit etwa 1948/49 am Brummerforth 2 in Bad Zwischenahn. Unsere Wohnung befand sich über der Werkstatt von Frau Schneidermeisterin Alma Neumann geb. Eilers. Sie hatte eine Tochter in meinem Alter, so etwa ein Jahr älter. Wir verstanden uns gleich gut und wurden Freundinnen. Wir hatten ja auch den gleichen Schulweg – an den Bahnschienen entlang auf dem Rotdornweg, dann am Bahnhof vorbei in die Schulstraße. Und die sah zu der Zeit ganz anders aus als heute! Vorne an war die Getränkegroßhandlung Johann Ficken, und dort gab es Bluna – lecker! Dann kam die Landwirtschaftsschule mit einem Vorplatz aus Schlacken. Warum erwähne ich das? Dort habe ich mir einige Male beim Rennen und Hinfallen die Knie aufgeschlagen. Das tat höllisch weh und heilte schlecht.Daran schloss sich die Fleischfabrik Luttmer an und gegenüber die Villa, in der Rektor Meyer wohnte. Daneben befand sich die kleine Bäckerei Reil. Hatten wir mal fünf Pfennig, dann holten wir uns dafür nach der Schule Blechkuchenränder. Frau Hilde Reil war immer sehr freundlich zu uns. Sie gab uns ein Spitztütchen voll (mit blauen Sternen drauf), und wir waren total glücklich! Außerdem war da noch die Tischlerei Renken mit ihren Schaufenstern. Gegenüber standen zwei oder drei kleinere Wohnhäuser. Weiter ging es an der Einmündung Zehntenweg vorbei in die Schule – ein großes Backsteingebäude. Auf dem Schulhof standen zwei oder drei Baracken, da die Klassenräume nicht ausreichten. Außerdem gehörte die Turnhalle mit dem Sägemehl dazu. Zwischen Schule und Turnhalle stand das kleine Haus von der Familie Meyer. Herr Meyer war Hausmeister und hatte viel Plage mit uns Gören. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es noch eine Schule – für Landwirtschaft? Ich weiß es nicht mehr so genau. Nebenan dann der große Pastorengarten – noch ohne die beiden Häuser, in denen Pastorin Testa und Pastor Wöbcken und Pastorin Adomeit mit ihrer Familie wohnen. Das war alles Garten! (Karin Schittko GB 4/16)

Wir, meine Eltern, meine Großmutter und ich, wohnten noch am Brummerforth, gleich an der Bahnschranke. In der Zeit habe ich immer gequengelt, ich wünschte mir ein Tier, einen Hund oder eine Katze. Mein Vater hat es nicht erlaubt. Man bedenke: es war ja noch die schlechte Zeit. Mein Vater kam aus einem Haushalt, in dem es immer Hunde gab. Er sagte: „Eine Katze kommt mir nicht ins Haus!“ Das Thema war erledigt. An einem total verregneten Morgen – ich musste zur Schule, mein Vater war zur Arbeit bei Intelmann – saß vor unserer Tür ein Kätzchen, klein, nass und frierend. Ich habe das Kätzchen in die Wohnung getragen. Mutti und Omi haben es trocken gerubbelt und etwas Milch spendiert. Ich musste zur Schule, aber den ganzen Unterricht hindurch dachte ich an das Kätzchen. Mittags hat meine Mutter unseren Gast nach draußen gebracht. Am nächsten Morgen die gleiche Prozedur: Regen und Kätzchen. Es wiederholte sich drei Tage. Es war Wochenende, und nun lernte mein Vater „Minka“ kennen. Den Namen hatten wir uns ausgedacht. In den ersten Tagen musste Minka nachts draußen schlafen. Eben: „Eine Katze kommt mir nicht ins Haus.“ Aber es dauerte nicht lange, da hatte Minka Vatis Herz erobert. Minka, der Kater, hat uns viele Jahre begleitet. Sogar den Umzug zur Breslauer Straße hat er mitgemacht. Er war der Liebling der Familie und hat uns alle verzaubert. Soviel zum Thema „Eine Katze kommt mir nicht ins Haus“!
(Karin Schittko GB 4/2017)
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