Wasserturm

1937/1938 wurde der mit Ziegelsichtmauerwerk verkleidete 35 Meter hohe Wasserturm nach Plänen des Hamburger Architekten Fritz Höger errichtet und am 1. Juni 1938 von der Gemeinde in Betrieb genommen worden. Kosten: 80.500 Reichsmark. Große Schwierigkeiten gab es bei den benötigten Baumaterialien wie Rohre und Eisen, die dann z.B. bei der Luftwaffe und Marine sowie von umliegenden Einzelhändlern kurzfristig beschafft werden mussten. Die Steinklinker kamen aus dem Ziegelwerk Bockhorn. Wichtigster Bestandteil ist der im Inneren auf Eisenbetonstützen ruhende Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von rund 230 Kubikmetern Frischwasser. Der Turm diente aber  nicht nur zur Speicherung von Trinkwasser, sondern auch als Aussichtsturm (dafür mussten 180 Treppenstufen erklommen werden). Für die Wasserversorgung im Ort wird der Wasserturm am Dränkweg nicht mehr benötigt. Ein Druckausgleichbehälter hat die Aufgaben des Turmes zur Aufrechterhaltung des Drucks in den Leitungen längst übernommen. Seit 2014 wird das unter Denkmalschutz stehende Gebäude nach Inbetriebnahme eines Druckausgleichbehälters am Wasserwerk am Heldenhain nicht mehr für seinen eigentlichen Zweck genutzt. Zeitweilig befand sich die sog. Teestube und ein Jugendtreff im Turm. Im Erdgeschoss befanden sich zuletzt die Büros des Vereins Bad Zwischenahner Woche.

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1934-Baufertigstellung-1

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Fritz Höger

Mit dem Chilehaus gab der Architekt Fritz Höger (1877 – 1949) Hamburg ein unverwechselbares Signet – und schuf zugleich sein Hauptwerk. Die ausdrucksstarken Reliefs der Klinkerfassade, deren Schwung und die schlank aufragende Spitze des Gebäudes von 1924 sind von expressiver Kraft. Högers Wagemut hat zur Reform des hamburgischen Kontorhauses entscheidend beigetragen und Baugeschichte geschrieben. Der Architekturkritiker Ulrich Höhns charakterisiert in seinem Hamburger Kopf das ambivalent-austarierte Architekturkonzept Högers: Seine Bauten seien „innen modern, offen und flexibel, außen dagegen zeigen sie eine neu erfundene Heimatlichkeit.“  Fritz Höger, bei Elmshorn geboren, absolviert zunächst eine Zimmermanns-Lehre und verwirklicht dann seinen Herzenswunsch, Baumeister zu werden. „Er hat eine beispiellose Karriere als Architekt gemacht“, schreibt Höhns. Als angestellter Architekt hat Höger Teil am Geschäftshaus-Bauboom in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.  „Auf der Suche nach einer spezifisch hamburgischen Identität in der Architektur“ gelingt es ihm, an der Mönckebergstraße, Tradition und Neues geschickt zu verbinden und damit den Heimatschutzgedanken in eine moderne City zu tragen. Während der 1930er Jahre zeigt sich Högers Opportunismus, nicht allein der Aufträge wegen, sondern auch aus Überzeugung. Doch das nationalsozialistische Regime will ihn nicht: „Vielleicht war er zu unberechenbar, vielleicht zu eigenwillig, vielleicht passte sein ‚Klinkerismus‘ nicht in den Staatsklassizismus.“   Dass sich Höger aus einfachen Verhältnissen hocharbeitet, dass er stets im Predigerton und sehr selbstbewusst, ja überheblich auftritt, schildert sein Biograf in dieser faktenreichen Würdigung. Dem rastlosen, von seiner Arbeit besessenen Architekten fehlt „die kritische Distanz zu sich selbst.“ So bleibt ihm ungeachtet seiner beruflichen Erfolge letztlich in der Hansestadt, die ihm so viele wegweisende, prägende Gebäude verdankt, die gesellschaftliche Anerkennung versagt. (ZEIT-Stiftung)

Ulrich Höhns: Fritz Höger, im Rahmen der Hamburger Köpfe herausgegeben von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2012, ISBN 10: 3831904871 ISBN 13: 9783831904877, vergriffen

mehr dazu unter folgendem Link: https://www.bauwelt.de/themen/buecher/Fritz-Hoeger-2117928.html

Zu Höger siehe auch hier: Arne Jürgens, Günter Marken: NWZ v. 9.2. 2022
„Ein wissenschaftliches Gutachten des Hamburger Staatsarchivs aus dem Jahr 2017 verweist anhand von Belegen aus Högers Nachlass auf einen „extremen Antisemitismus“. Deutlich wird das auch in einem bisher unveröffentlichten Dokument, das Höger Monate nach Kriegsende nach November 1945 verfasst hatte. Darin machte er in extrem antisemitischer Manier das „Weltjudentum“ für die deutsche Niederlage verantwortlich: „Egoistischer Materialismus, große Schlauheit, die zur Hinterlist wird, Lug und Trug und anschmeichelnde Zähigkeit sind die äußeren Zeichen des Judentums; dazu die Nase, Plattfüße und mauschelnde Hände. […] Die Schergen und Schlächtergesellen des Weltjudentums führen ein bacchalisch gutes Leben“, ließ Höger seinen Ressentiments freien Lauf.“